2019-07-10

Marketingstrategie für Startups oder mit Kanonen auf Spatzen schießen

Viele Startups holen sich bereits zur Gründung oder zum Markteintritt eine Agentur ins Haus, die ihnen Marketingstrategien entwickelt und die Kommunikation übernimmt. Dabei ist eine Marketingstrategie zur Unternehmensgründung wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Das heißt nicht, dass ich die Daseinsberechtigung von Agenturen anzweifle, aber gerade zur Unternehmensgründung ist es sinnvoll, eher in kleinen Dimensionen zu denken. Und das im Think Big-Zeitalter - OMG, wie kann sie nur?

Wenn es um Marketing geht, vergessen Gründer schnell, dass sich die viel gerühmte Hands-On-Mentalität, von der sie bei ihren Mitarbeitern so schwärmen, auch für die Marketingstrategie und die gesamte Kommunikation einsetzen lässt. Wie ich so etwas behaupten kann? Ganz einfach, ich habe es selbst erlebt.

Vor einiger Zeit hatte die Aufgabe, die Kommunikation eines Startups aufzubauen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen lediglich einen Twitterkanal. Bis eines Tages aus den Untiefen der Marketingordner ein Marketingstrategiepapier auftauchte, dass zur Firmengründung beauftragt wurde. Der Umfang: Knapp 100 Seiten. Die Kosten: vermutlich im fünfstelligen Bereich. Beim Durchlesen des Wälzers, hatte ich ein merkwürdiges Deja-vu. Es fühlte sich an, wie eine Bachelorarbeit zu lesen: Von Kapitel 1 bis 5 ganz viel Theorie, schöne Grafiken und wenig zum Anwenden. Der Inhalt: gegen 0. Mühsam habe ich mich durch die Textwüste gearbeitet und musste am Ende dennoch feststellen: Das Dokument ist nicht nutzbar. Und das hat einen ganz einfachen Grund!

Seit der Erstellung der Marketingstrategie ist etwa ein Jahr vergangen. Das glanzvolle Papier wurde ganz tief im weit verzweigten Ordner-Friedhof begraben. Und in der Zwischenzeit hat sich das Produkt bereits weiterentwickelt. Und mit dem Produkt auch die Unternehmensphilosophie und noch viel schlimmer: die Zielgruppe. Damit war die Marketingstrategie leider bereit für die Altpapiertonne und den virtuellen Papierkorb.

Vor dieser Herausforderung stehen viele Startups. Besonders im Tech-Bereich ändern sich die Produkte der Unternehmen im ersten Jahre öfter. Zum einen, weil die Gründer den Markt und die Konkurrenz immer besser kennenlernen und zum anderen, weil sich durch Kooperationen oftmals neue Möglichkeiten ergeben. 

Umso wichtiger ist es, auch beim Thema Marketingstrategie und Kommunikation die berühmte Hands-On-Mentalität nicht zu verlieren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Am Anfang ist es als Unternehmer vor allem wichtig, zu wissen, was man mit der Kommunikation erreichen will. Dabei ist es noch gar nicht notwendig, ein ausgefeiltes Markenbild wie Nike oder Apple vorzuweisen, denn dieses Bild formt sich ganz allein durch die Kommunikation nach außen. Und seien wir ehrlich, wie oft lesen Sie die Marketingstrategie, die sie entwickelt haben oder die für sie entwickelt wurde? Also, ich habe sie nicht in meinem Nachttisch, um mich jeden Abend mit einem seligen Lächeln in den Schlaf zu lesen.

Nachdem ich nun klargestellt habe, was ein Startup alles nicht braucht. Hier nun, was es braucht: Für Startups (vor allem im B2B-Bereich) ist es zu Beginn wichtig, Sichtbarkeit zu erreichen, die viel besprochene Reichweite zu generieren und dadurch die Bekanntheit zu steigern. Und das funktioniert am besten über PR und mit regelmäßigen interessanten Beiträgen auf Portalen wie Linkedin. Die klassische Pressearbeit und ein guter Kontakt zu Journalisten ist dabei nicht zu unterschätzen. Aber auch Guerilla-Marketing und ausgefallene Kampagnen können dabei helfen. Wichtig ist also nicht der große Plan, das große Geld und ganz viel Theorie, sondern sich bewusst zu sein, was es zu erreichen gilt, mit welchen Themen man das erreichen kann und welche Kanäle sich dazu eignen. Insbesondere bei der Wahl der Social Media-Kanäle gilt dabei Klasse statt Masse. Dafür braucht es für den Anfang keine Strategie und keine Agentur, sondern einen Partner, der viel Erfahrung und ein umfangreiches Wissen mitbringt. Manche Aufgaben, wie Mailings oder SEA können dabei natürlich auch an externe Dienstleister ausgelagert werden. 

Und wenn sich das Unternehmen gefestigt hat und die Produkte stehen, ist immer noch genug Zeit, die Marketingstrategie auch aufs Papier zu bringen, und bis dahin hat sie dann auch schon jeder Mitarbeiter verinnerlicht. Und bitte die nächsten zehn Jahre nicht durchplanen, sondern immer Step by Step. That’s it.

Admin - 09:10 @ KMU

 
 
 
 
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